KW 16 - Brauchen wir eine Anwesenheitspflicht?
Moin zusammen und willkommen zur KW 16 bei StudiumWeekly! Diese Woche geht es um die Grundfesten unseres Uni-Alltags: Müssen wir eigentlich wirklich in die Vorlesung? Außerdem schauen wir uns an, ob ChatGPT das Medizinstudium ersetzt, und werfen einen Blick nach Bayern, wo die Grünen im Landtag Verbesserungen für Jura-Studierende fordern.
Der ewige Kampf: Bleibt man freitagmorgens verkatert im warmen Bett oder schleppt man sich in den stickigen Raum 00/1020? In der ZEIT Campus streiten zwei Autoren hitzig über die gute alte Anwesenheitspflicht. Während die einen finden, dass leere Hörsäle schlicht das Ergebnis von "schlaffen Doktorand:innen" und wirren "PowerPoint-Präsentationen" sind (O-Ton: "Pflicht ist Schwachsinn!"), argumentieren die anderen: Eine "Anwesenheitspflicht light" (mit Jokern für Krankheit oder Caféschichten) schützt kleine Fächer und sorgt überhaupt erst für Diskurs. Denn mal ehrlich: Denken und Streiten lernt man nicht, wenn man beim Kücheputzen einen Podcast-Prof auf 1,5-facher Geschwindigkeit hört und dabei die kritische Masse im Seminarraum fehlt.
Die Diskussion zu dem Thema auf r/Studium könnt ihr hier finden:

Wer beim Arzt sitzt, vertraut (meistens) auf jahrelange klinische Erfahrung. Doch eine aktuelle Studie der Universität Marburg und des dortigen Uniklinikums zeigt Erstaunliches: In einem Wissenstest zur akuten Nierenschädigung traten öffentlich verfügbare KI-Sprachmodelle gegen 123 Medizinstudierende sowie Ärztinnen und Ärzte an. Das Ergebnis? Autsch. Die getesteten Sprachmodelle beantworteten im Mittel 90 Prozent der Fragen korrekt, während die menschlichen Fachkongressteilnehmenden lediglich auf 49 Prozent kamen. Einige KIs lieferten sogar in einem Bruchteil der Zeit fehlerfreie Antworten. Aber keine Panik, Dr. KI übernimmt (noch) nicht die Praxis: Die Forschenden betonen, dass menschliches Urteilsvermögen und die Letztverantwortung nicht outgesourct werden dürfen. Ein Sprachmodell hat keine Empathie und spürt nicht, was der Patient wirklich braucht. Seht es positiv: Richtig eingesetzt könnte die KI im klinischen Alltag euren Ärztinnen und Ärzten bald mehr Zeit für Aufmerksamkeit und menschliche Nähe freischaufeln! Wer also Medizin studiert, wird also nach dem Abschluss hoffentlich nicht direkt arbeitslos. ;)
Das Jurastudium ist für viele ein absoluter Nervenkitzel ohne Netz und doppelten Boden: Nach unzähligen Semestern, BAföG-Schulden und schlaflosen Nächten droht beim endgültigen Durchfallen im gefürchteten Ersten Staatsexamen der komplette Ruin - man steht ganz ohne Studienabschluss da. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet hat, fordern die Grünen im bayrischen (bayerischen ist übrigens genauso korrekt) Landtag nun aber den sogenannten integrierten Bachelor für das Jura-Studium. Wer auf dem Weg zum Staatsexamen bestimmte Leistungen erbracht hat, würde dabei automatisch den "LL.B." (Bachelor of Laws) erhalten. Ein längst überfälliger Rettungsring, der den extremen psychischen Druck massiv lindert und verhindert, dass man am Ende seiner 20er-Jahre fachlich komplett mit leeren Händen dasteht. Die CSU-Fraktion spricht sich allerdings dagegen aus, weswegen eine Änderung der aktuellen Situation in Bayern wie in anderen Bundesländern eher unrealistisch ist.
Ich wünsche euch ein schönes Restwochenende und bis nächste Woche!
Cheers,