KW 26 - Minijob vor dem Aus, KI vor der Klausur

KW 26 - Minijob vor dem Aus, KI vor der Klausur
Die Anatomie des Dr. Tulp von Rembrandt van Rijn (1632)

Moin,

diese Woche im Newsletter: Die Rentenkommission will den Minijob für Studierende abschaffen und das BAföG damit de facto beschädigen, Bayern verabschiedet das "Verbot des Verbots" von KI in Prüfungen - und China hat derweil schon 12.200 Studiengänge gestrichen und durch KI-Fächer ersetzt. Eine hitzige Woche.


Fangen wir mit der schlechtesten Nachricht an. Am Dienstag hat die Rentenkommission der Bundesregierung ihre 33 Reformvorschläge übergeben - und einer davon hat es für Studierende in sich: Minijobs sollen künftig nur noch für Schülerinnen und Schüler möglich sein. Für Studierende wären sie weg. Bundeskanzler Merz hat angekündigt, alle 33 Empfehlungen umsetzen zu wollen.

Was das konkret bedeutet: Wer heute neben dem Studium als Minijobber jobbt, profitiert von bis zu 603 Euro im Monat, die sozialabgaben- und steuerfrei sind. Fällt diese Möglichkeit weg, müsste ein Großteil der betroffenen Jobs in reguläre Beschäftigungsverhältnisse umgewandelt werden - mit Abzügen für Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung. Das IWH Halle hat ausgerechnet, dass bei einer kompletten Abschaffung rund vier Millionen Betroffene ein niedrigeres Nettoeinkommen hätten.

Für BAföG-Beziehende kommt noch etwas dazu: Der BAföG-Freibetrag für eigenes Einkommen ist seit 2024 an die Minijob-Grenze gekoppelt. Fällt die Minijob-Ausnahme für Studierende weg, verliert diese Koppelung ihren Sinn - und damit könnte auch die einfachste Art, etwas dazuzuverdienen ohne BAföG-Abzüge zu riskieren, Geschichte sein. Auf r/Studium läuft die Diskussion bereits. Beschlossen ist das Ganze noch nicht - CSU-Chef Söder hat sich bereits gegen die Abschaffung ausgesprochen - aber die politische Richtung ist klar.


Während Berlin über das Entziehen von Verdienstmöglichkeiten debattiert, hat München an anderer Front etwas erlaubt. Das bayerische Kabinett hat am selben Dienstag beschlossen, das Hochschulinnovationsgesetz (BayHIG) anzupassen - und der medienwirksamste Punkt ist das, was Wissenschaftsminister Blume als "Verbot des Verbots" bezeichnet: KI darf künftig generell in Prüfungen, Hausarbeiten und Klausuren eingesetzt werden. Parallel soll ein neues Hochschulordnungsrecht mit Sanktionen bis zur Exmatrikulation kommen.

Das klingt nach einem großen Schritt - und ist auch einer, wenn man bedenkt, wie viele Hochschulen noch im "komplett verbieten oder großzügig ignorieren"-Modus stecken. Die eigentlich interessante Frage stellt sich danach: Wie viel KI darf drin sein? 20 Prozent? 80? Muss jeder Prompt zitiert werden wie eine Quelle? Und was passiert mit Prüfungsformaten, die davon ausgehen, dass Schreiben und Denken noch zusammenhängen? Antworten liefert der Beschluss nicht. Die Verschiebung von "darf KI?" zu "wie und unter welchen Regeln?" ist trotzdem überfällig.


Wer wissen will, wie das Experiment in einer anderen Liga aussieht, schaut nach China. Zwischen 2021 und 2025 haben chinesische Hochschulen 12.200 Studiengänge gestrichen - über 30 Prozent aller Bachelorstudiengänge im Land. Gleichzeitig wurden 10.200 neue Studiengänge eingeführt, viele davon in KI, Robotik, Embodied Intelligence und Brain-Computer-Interfaces. Betroffen von den Streichungen: vor allem Geisteswissenschaften, Fremdsprachen, Medien und klassisches BWL.

Der Hintergrund: 12,7 Millionen Absolvent:innen sollen 2026 auf den chinesischen Arbeitsmarkt treffen - der größte Absolventenjahrgang in der Geschichte des Landes. Die Jugendarbeitslosigkeit lag 2023 bei über 21 Prozent, bevor die Regierung aufgehört hat, die Zahl monatlich zu veröffentlichen. Auf r/Studium läuft auch dazu eine Diskussion.

Die Parallele zu Bayern ist schwer zu übersehen. Die Methoden sind radikal verschieden - Peking streicht Studiengänge, München erlaubt ein Tool - aber die Richtung ist dieselbe: KI gehört ins Studium, und wer das noch nicht akzeptiert hat, soll es jetzt tun. Beide Entscheidungen sagen im Kern dasselbe: Die Hochschule als Ort, der KI fernhält, hat ausgedient. Was das für Absolvent:innen bedeutet, die in fünf Jahren auf einem Arbeitsmarkt ankommen, der von genau dieser Technologie umgebaut wurde, weiß niemand genau. Aber die Richtung ist gesetzt - ob in Bayern per Kabinettsbeschluss oder in China per Kettensäge.

Cheers und bis nächste Woche - dann hoffentlich bei angenehmeren Temperaturen! ;)